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Gesandtschaften

Osmanli Padisahlari

Osman I

1299-1324

Orhan

1334-1362

Murad I

1362-1389

Bayazid I

1389-1402

Mehmed I

1413-1421

Murad II

1421-1446

Mehmed II

1446-1481

Bayazid II

1481-1512

Selim I

1512-1520

Süleyman I

1520-1566

Selim II

1566-1574

Murad III

1574-1595

Mehmed III

1595-1603

Ahmed I

1603-1617

Mustafa I

1617-1623

Osman II

1618-1622

Murad IV

1622-1640

Ibrahim

1640-1648

Mehmed IV

1648-1687

Süleyman II

1687-1691

Ahmed II

1691-1695

Mustafa II

1695-1703

Ahmed III

1703-1730

Mahmud I

1730-1754

Osman III

1754-1757

Mustafa III

1757-1774

Abdülhamid I

1774-1789

Selim III

1789-1807

Mustafa IV

1807-1808

Mahmud II

1807-1808

Abdülmecid

1839-1861

Abdülaziz

1861-1876

Murad V

1876

Abdülhamid II

1876-1909

Mehmet V

1909-1918

Mehmet VI

1918-1922

Osmanische Großbotschafter (1535 - 1740)

Memis

           1535

(Tschausch)

Ahmet

           1549

Mahmud

           1549

(Tschausch)

Ibrahim Bey

           1562

Bali

           1564

(Tschausch)

Ibrahim Bey

           1568

(2 Reise)

Mehmed Bey

           1568

Ali

           1581

Turgut Kambur

           1584

Mustafa

           1589

(Tschausch)

Zülfikar Bey

           1603

Ahmed Kahya

           1605

Mehmed

           1614

(Tschausch)

Ahmed Pascha

           1616

Ahmed Aga

           1618

(Jant. Offizier)

Recep Bey

           1628

Ridvan Aga

           1634

Ahmed

           1636

(Hofbeamter)

Mehmed

           1640

(Hofbeamter)

Osman Aga

           1643

Hasan Aga

           1649

Mehmet Pascha

           1659

Öprülü

Yusuf Aga

           1664

(Jant. Offizier)

Kara Mehmet

           1665

Pascha Stadt-

halter Rumeli

Zülfikar Pascha

  1689 - 1690

Ibrahim Pascha

  1699 - 1700

Ibrahim Bey

           1703

(Hofbeamter)

Seyfulla Aga

           1711

Ibrahim Pascha

           1719

(Kavel.Offizier)

Mustafa Aga

           1732

Ali Pascha

           1740

Caribi Stadt-

halter Rumeli

Kaiserliche Gesandtschaften ins Osmanische Reich (1500 - 1740)

Mit dem Untergang des königlichen Ungarn nach der Schlacht von Mohacs 1526 und dem Anspruch des Hauses Habsburg auf die legitime Nachfolge seiner Herrschaft in Ungarn, begann eine mehr als 200 jährige Auseinandersetzung mit dem Osmanischen Reich. Während Habsburg zuerst offensiv versuchte seine Ansprüche militärisch durchzusetzen, sahen sich die Osmanen, nach den erfolglosen Feldzügen 1529 vor Wien und 1532 in der Steiermark, veranlaßt, die gewonnen ungarische Gebiete in ihren Staat verwaltungstechnisch einzu- gliedern. Nach der Eroberung von Ofen 1541 wurde Ungarn geteilt. Zentralungarn kam unter direkte Verwaltung des Osmanischen Reiches, Siebenbürgen wurde autonomer Vasall in Abhängigkeit der Osmanen und Nordungarn kam zu Habsburg. Der Hof in Wien erkannte nun die derzeitige Unmöglichkeit einer offensiven Kriegsführung. Die beginnenden Religions- kriege im Reich und seine Großmachtpolitik ließen nur eine Abwehr- und Verteidigungspolitik zu. (Türkengefahr) Diese nüchterne Einstellung der eigenen Möglichkeiten war die Geburtsstunde der kaiserlichen Gesandtschaften nach Kon- stantinopel. Waren sie am Anfang des 16 Jh. nur sporadisch so wurden die Gesandtschaften ab 1553 mehr oder weniger Bestandteil der habsburgischen Diplomatik und gleichzeitig die des Reiches. Am Anfang der Gesandtschaften waren die Tributzahlungen und die unbedingte Friedenserhaltung Leitlinien der Diplomatik. Mit der Zunahme der militärischen Kräfteverschiebung zu Gunsten von Habsburg nach 1683 änderte sich die Zielrichtung der Politik zu einer Absicherung und Kontrolle der Großmachtstellung des entstehenden Österreichisch-Ungarischen Kaiserreiches. Wie wichtig die Gesandtschaften aus Sicht der Habsburger waren verdeutlichen die zirka 120 Gesandtschaften zwischen 1500 und 1740 nach Konstantinopel. Im Gegensatz dazu entsandten die Osmanen nur zirka 32 Großbotschafter in der selben Zeit.

Ogier Chislan de Busbecq,  Reisebericht

Osmanische Sichtweise

Aus osmanischer Sicht waren Gesandtschaften bzw. Verhandlungen in Form von Waffenstillstand oder Friedensverträge immer Notwendigkeiten einer augenblicklichen politischen Lage ihres Staates. Dahinter verbarg sich die islamische Zweiteilung der Welt in islamisches Gebiet (dar al-islam und Gebiet der Ungläubigen dar al-harb). Es galt unter den osmanischen Gelehrten als Konsens, dass eine Ausdehnung ihres Staates, unabhängig ob mit militärischen oder friedlichen Mitteln notwenig sei. Dieses Ziel konnte zeitweilig ausgesetzt werden. Grundlage der Notwendigkeit einer zeitlichen geregelten vertraglichen Aus- setzung der Ausbreitung symbolisierte das Erbringen von Tributleistungen, die vorrübergehende militärische Schwäche des eigenen Staates oder die Anerkennung der theoretischen Herrschaft durch den osmanischen Staat. Diese Punkte spiegelten sich von Anfang an in den Verhandlungen der Gesandt- schaften. Zum einen kaiserliche Tributzahlungen als Gegenleistung eines Friedenvertrages oder Waffenstil- lstandes, Anerkennung der Herrschaft durch gerade diese Tributzahlungen oder eines Vasallenstatus und eigene Handlungsfreiheit bei der Bekämpfung anderer äußerer oder innerer Feinde. Damit betrachteten die Osmanen die tatsächlichen Verhandlungen aus der Sicht einer  politisch-religiösen höherstehenden Machtsituation gegenüber den “Ungläubigen”. Diese auf Grund eines Überlegenheitsgefühles erwachsene Sichtweise war der Grund, dass von osmanischer Seite am Anfang die Verhandlungspartner am kaiserlichen Hof von geringer gesellschaftlicher Stellung waren. Es handelte sich in der Regel um Renegaten oder Dolmetscher mit besonderen Verhandlungsvollmachten.

Reichs- und habsburgische Sichtweise

Ganz anders auf kaiserlicher Seite. Die abendländisch-christliche Sicht überhöhte  ebenso den eigenen Standpunkt, doch die notwendige Einsicht in die Wichtigkeit der Gesandtschaftsaufgaben erhöhte die Stellung des jeweiligen Botschafters bei der Pforte. Während man sich aus militärischem Stand- punkt auf die Abwehr der Osmanen beschränkte durch den Aufbau eines Systems von festen Sicherungs- und Verteidigungs- plätzen (siehe Türkengefahr), versuchte man gleichzeitig durch geschickte Diplomatie den Offensivdrang der Osmanen zu bändigen. Ob dabei die Gesandtschaften immer erfolgreich waren ist nicht eindeutig nachzuweisen und dennoch stellten sie ein wichtiges Instrument in der Beurteilung des osmanischen Handels dar, weil die Gesandtschaften zum Großteil lernten, die Vorgänge im osmanischen Reich zu verstehen.

Reisebeschreibungen des Salomon Schweigger zu Nürnberg 1558 (rechts)

Neue Sichtweisen

Dieses Kennenlernen des Anderen vollzog sich auf zweierlei Wegen. Zum einen durch aufgeschlossene und realistische Beobachtungen von Reisenden im Gefolge der Gesandtschaften und durch die Gesandt- schaftsberichte der Botschafter selbst. Diese neue offene und durch die europäischen Humanismus ausgelöste Sichtweise bildete den Beginn einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem osmanischen Reich und führte zur Ausbildung der orientalischen Wissenschaften, gerade auch im diplomatischen Umgang mit dem Osmanischen Reich.

Gesandte und Reiseberichterstatter

Damit stellt sich die Frage, wer waren die Menschen die dieses neue Weltbild, diese andere Betrachtung des Osmanischen Reiches hervorbrachten. Auslöser der Beschreibungen des Osmanischen Reiches waren vor allem zwei Gesichtspunkte. Zum einen ein Staat zu beschreiben der als Bedrohung des eigenen gesel- lschaftlichen Systems betrachtet wurde und zum anderen die Suche nach Überresten antiker Zeugen. Beide Bedürfnisse vereinten sich in den Reisebe- schreibungen der Gesandtschaftsreisen. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Gesandtschaftsmitglieder gelangten so Menschen mit den unterschiedlichsten Vorbildungen und Ausbildungen in das Osmanische Reich, darunter Botaniker, Maler (z.B.Melchior Lorch) Ärzte, Militärs , Handwerker aller Art, Gelehrte und Theologen usw. Alle diese unterschiedlichen Erfahr- ungen und Beschreibungen erzeugten ein neues und buntes Mosaik eines Staates der bis dahin als “Geisel der Christenheit” und “Reich der Barbaren” durch schematische Schmähschriften oder politisch gewollter Propaganda in Europa und vor allem im Reich betrachtet wurde.

Ogier Ghiselin de Busbecq (1522-1591)

Großbotschafter Ogier Ghiselin de Busbecq

geboren in Flandern studierte in Löwen und wurde durch den dort lehrenden Erasmus von Rotterdam zum bekennenden Humanisten. Danach  besuchte er Vorlesungen an den Universitäten von Paris, Bologna und Padua. Die dabei erlernten Sprachen brachten ihn in kaiserliche diplomatische Dienst. Nach seiner ersten Mission in England wurde er vom Kaiser als Gesandter nach Konstantinopel gerufen wohin er im Jahre 1554 aufbrach. Nach kurzem Aufenthalt in Wien 1555 kehrte er noch im selbem Jahr als kaiserlicher Botschafter nach Konstantinopel zurück und blieb dort bis 1562.

Busbecq hatte mit dieser Aufgabe dreifachen erfolgt. Zum einen als erfolgreicher Diplomat, als humanistischer Gelehrter mit seinen Aufzeichnungen über das Osmanische Reich und durch die Einfuhr orientalischer Pflanzen, darunter Tulpenzwiebeln die ihm der damalige Sultan Süleyman bei einer Audienz schenkte.

Busbecq, Ogier Ghiselin de: Omnia quae extant opera. Basel: Jo. Brandmüller, 1740. Nachdruck: Graz: Akademische Druck- u. Verlagsgesellschaft, 1968.

Busbecq, Ogier Ghiselin de: Turkish Letters (Übersetzung: Forster, Edward S.). Oxford: Clarendon Press, 1927. Neuauflage: London: Sickle Moon Books, 2001.

Busbecq, Ogier Ghiselin: Vier Briefe aus der Türkei. Aus d. Lat. übertr. .. von Wolfram v.d. Steinen. Erlangen 1926

Forster, Charles T., Daniel, F.H. Blackburne: The Life and Letters of Ogier Ghiselin de Busbecq. Vol. 1. London: C. Keagan Paul & Co., 188

Enderlein, Volkmar: Eine Bemerkung zu Busbecqs “Türkischen Briefen”, in: Europa und der Orient, Lesebuch (Hrsg.) Sievernich, G. und Budde, H.) Berlin 1989

Das Osmanische Reich im 16. Jahrhundert aus der Perspektive von Ogier de Busbecq (deut.)

Ogier Ghiselin de Busbecq: The Turkish Letters, 1555-1562 (engl.)

Hans Dernschwam von Hradiczin (1494-1568)

geboren in Böhmen studierte in Wien und Leipzig. Seine dort erworbenen humanistischen Einsichten führte ihn als Gehilfe zu Hieronymus Balbi in Ofen. In den dortigen gebildeten Kreisen lernte Derschwam den ungarischen Bergbau und Handel kennen. 1517 trat er als Leiter einer Faktorei in die Dienste des augsburgischen Handelshauses der Fugger. Nach langjähriger Tätigkeit zog sich Derschwam auf seine Länderrein zurück, wo er sich seiner wertvollen Bibliothek widmete. 1554 schloß er sich, wohl in Absprache mit Anton Fugger, der kaiserlichen Gesandtschaft nach Konstantinopel an von der er 1555 wieder zurückkehrte.

Babinger, Franz (Hrsg.): Hans Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel und Kleinasien (1553/1555). Nach der Urschrift im Fugger-Archiv, Leipzig 1923, Neudruck München 1986

Kochwasser, Friedrich: Der Humanist Hans Dernschwam und sein Bericht über eine Botschaftsreise nach Konstantinopel in den Jahren 1553-1555. (Zeitschrift für Kulturaustausch XII, Heft 2-3, 1962 S. 204-210

Reddig, Wolfgang F.: Reise zum Erzfeind der Christenheit. Der Humanist Hans Dernschwam in der Türkei (1553-1555). Paffenweiler 1990

Hans Dernschwams Bericht über Ernährungsgewohnheiten in der Türkey, Ungarn usw. (16. Jh.)(deut.)

Salomon Schweigger (1551-1622)

geboren in Schwaben, studierte Theologie an der Uni- versität Tübingen. Nach seiner Ordination in Graz trat er in den Dienst des Freiherrn Joachim von Sinzendorff. Dieser wurde 1577 Botschafter in Konstantinopel und nahm Schweigger als Gesandtschaftsprediger bis 1581 mit. Seine in Nürnberg erschienenen Reisebeschreib- ungen wurden im Zeitraum zwischen 1608 und 1664 sieben mal neu aufgelegt, woraus sich deren außer- gewöhnliche Nachfrage im 17 Jh. ergibt.

Schweigger, Salomon: Ein Newe Reyssbeschreibung auss Teutschland nach Constantinopel und Jerusalem. Nünberg 1608. (Frühe Reisen und Seefahrten Bd. 3) Graz 1964

Der Gesandtschaftsprediger Salomon Schweigger                 (rechts)

Graf Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein (1629-1708)

geboren im schwäbischen Wallerstein, wurde er schon früh in den Reichshofrat eingeführt. Dort fand er besonders als Abgeordneter des Reich bei Wahlen von Reichsfürsten Verwendung. Er lernt die Diplomatik insbesondere beim Friedenschluß von Nimwegen und im pfälzischen Erbfolgekrieg. Im Türkenjahr 1683 ernannte Kaiser Leopld ihn zum Präsidenten des Reichshofrats. Im September 1698 wurde Graf Wolfgang zum bevollmächtigten Gesandten für den Friedenkongreß in Karlowitz. Nach schnellen und zufrieden- stellenden Friedensverhandlungen mit den Osmanen die am 10.01.1699 mit dem Frieden von Karlowitz endeten, wurde Graf Wolfgang nach einer Audienz in Wien zum Großbotschafter für Konstantinopel ernannt. Nach Zweijahren Aufenthalt kehrte er  im Alter von 72 Jahren in seine Heimat zurück.

Volckamer, Volker v: Graf Wolfgang IV. zu Oettinegn-Wallerstein (1629-1708), in: Diplomaten und Wesire. Krieg und Frieden im Spiegel türkischen Kunsthandwerks. (Hrsg.) Schienerl, P.(Ausstellungskatalog Staatliches Museum für Völkerkunde München, Zweigstelle Oettingen) München 1988

Graf Wolfgang IV zu Oettingen-Wallerstein (deut.)

Der Weg von Wien nach Konstantinopel

Am Anfang der Gesandtschaftsreisen umfaßte eine Reisegruppe zwischen 50 bis 70 Personen. Mitte des 17Jh. erhöhte sich diese Zahl auf 250 bis 350 Personen und der türkische Großbotschafter Ali Pascha zog mit zirka 1000 Teilnehmer 1740 in Wien ein. Somit stieg auch die Zahl der Schiffe von 5 bis 7 auf über 40 Schiffe und die der Kutschen von zirka 10 auf  bis zu 130 Kutschen bis zum Ende des 17 Jh. an. In der Regel dauerte die kombinierte Fluß- und Landreise, abhängig von der Jahreszeit, zwischen 3 und 4 Monaten . Dabei vollzog sich der Ablauf fast immer gleich. Die Strecke von Wien bis zur Grenze bei Komorn legte man auf dem Landweg oder auf dem Fluß zurück. Dann erfolgt ein meist über Tage minuziös vorgeschriebenes Grenzprotokoll, wobei die Grenze durch 3 Pfähle markiert wurde. Nach dem Frieden von Karlowitz 1699 wurde das Grenzprotokoll gleich hinter Peterwardein durchgeführt und man hatte wiederum 3 Pfähle aufgestellt. Nach dem Grenzübertritt ging es zu erst nach Ofen (Budapest) wiederum auf dem Landweg oder dem Fluß. Die Strecke von Wien bis Ofen umfaßte dabei zirka 270 km. Von Ofen bis Griechisch- Weissenburg (Belgrad) maß die Strecke zirka 450 km, die auf der Donau per Schiff zurückgelegt wurde. Dann folgte die Route, der alten römischen Heeresstraße, nach Sofia, was zirka 400 km betrug. Von Sofia ging es über das Gebirge nach Adrianopel (Edirne). Dieser Abschnitt von zirka 330 km stellte den anstrengensten und gefährlichsten Teil der Reise da. Von Adrianopel führte eine gut ausgebaute Strasse, die restlichen 235 km der Reise, nach Konstantinopel (Istanbul). Die Gesandtschaft übernachtetet entweder auf den Schiffen, in den Herbergen der Stadtkommandanten, in sogenannten Han`s bzw. Karawansereien oder auf dem freien Feld.

Kutschen auf dem Landweg (rechts)

Der Einzug in Konstantinopel und die Audienz beim Sultan

In der Regel wurden die kaiserlichen Gesandt- schaften in den südlichen Vororten vor Konstantinopel untergebracht, wo man sich auf den feierlichen Einzug in die Hauptstadt vorbereitete. Die Gesandtschaften legten ihre besten Kleider an, bildeten einen prächtigen Zug und ritten unter der neugierigen Anteil- nahme der Bevölkerung in ihre Herberge. Auch dieser Einzug unterlag einem strengen Protokoll, dass meist erst tagelang ausge- handelt werden mußte. Trotzdem kam es immer wieder zu Verstimmungen beim Einzug, z.B. wenn christliche Symbole oder Reichsymbole auf den Fahnen der Teilnehmer auftauchten. Ebenso war eine strenge Regelung hinsicht- lich der Kleidung und der Positionen der Reisenden. Erst durch den Frieden von Karlowitz 1699 wurden von Seiten der Osmanen Zugeständnisse in der Kleidung an die Gesandtschaften zugelassen oder anders ausgedrückt, die Kleidungsfrage konnte von kaiserlicher als auch von osmanischer Seite selbständig durch den Großbotschafter entschieden werden.

Karawanserei (Deliller Hani) in Diyarbakir aus dem 17 Jh.                             (rechts oben)

Audienz des franz. Gesandten durch Sultan Ahmed III (1724) (Jean-Baptise Van Mour)

Gesandtschaftsschiffe auf der Donau

Ebenso schwierig und langwierig war die tatsächliche Audienz beim Sultan.  Je länger das Osmanische Reich bestand desto komplexer gestaltete sich eine Audienz. Dabei versuchte man die jeweiligen Gesandt- schaften von der eigenen Staatsverfassung und ihrem Funktionieren zu überzeugen. Die Osmanen führten meist die strenge Disziplin der Janitscharen vor, wenn diese ihren Sold empfingen. Danach wurde im Ratsdiwan oder im Freien ein Festessen serviert. Daraufhin folgte die feierliche Vorführung der Geschenke an den Sultan und später an die anderen wichtigen Würdenträger. Tatsächlich wurden die Gesandt- schaftsmitglieder immer wieder durch die große Anzahl von Menschen, die sich in einer fast unvorstel- lbaren Ruhe und Ordnung bewegten, beeindruckt. Die Audienz selbst fand meist im dafür eigens, im dritten Hof des Serails, erbauten Audienzsaal statt. Zuerst mußte man eine Reihe von Würdenträgern passieren und wurde dann vor dem Eingang von zwei Diener an den Armen ergriffen, mit einem orient- alischen Kaftan bekleidet und unter Festhaltung der Arme in den Audienzsaal gebracht. Dort drückte man den Gesandten zu einer tiefen Verbeugung in Richtung des Bodens. Hierauf wurde das kaiserliche Schreiben überreicht und vielleicht das ein oder andere Wort mit dem Dolmetscher oder sogar einem Würdenträger gewechselt. Während der Gesandte in dieser Verneigung die Hand  Sultans küssen sollte, sprach gerade dieser in der Regel nur durch seine Höflinge. Nach 1699 entfiel zum Teil die zwanghafte Verbeugung sowie das überhängen des Kaftans und der Gesandte konnte direkt den Sultan oder einer seiner Würdenträger ansprechen. Diese von den meisten Gesandten als arrogante und demütigende empfundene Audienz, ging in ihren Wurzeln auf die byzantinische Hofzeremonie zurück, weil gerade die Tradition der Audienz die besondere Stellung des Sultans über alle anderen Herrscher hervorheben sollte. Somit war die Audienz kaum mehr als eine notwendige Zeremonie ohne tatsächlich die Anliegen der beiden Staaten zu erörtern. Diese Aufgaben lag entweder in den Gesprächen beim Großwesir oder in den Verhandlungen mit dem einflußreichen Hofdolmetschern bzw. sonstigem Würdenträgern. Dass dabei nicht unbedeutende Mengen von Geschenke oder Barmittel die Verhandlungsbereitschaft beeinflußten war ein von allen europäischen Botschaften praktiziertes Mittel. Nach dem Ende der Gesandtschaft kam es zu einer Abschlußaudienz und wiederum zu einem feierlichen Auszug. Gerade in der Frühphase der Gesandtschaften kam es immer wieder vor, das die Personen von Seiten der Pforte als Geiseln betrachtet wurden, wobei die Isolierung in der Gesandtschaftsunterkunft auch über Jahre hinweg, noch zu den harmlosesten Mitteln bei der Behandlung der Gesandten zählte. Deshalb war es zwar eine Ehre zum kaiserlichen Gesandten ernannt zu werden, aber aufgrund der Reise- gefahren und der Behandlung durch die Gastgeber, nicht immer der Gesundheit förderlich und so ver- wundert es nicht, dass einige der Botschafter nicht immer die erste Wahl des Kaisers darstellten. Was umgekehrt für die osmanischen Botschafter bis 1664 sicherlich und wie schon erwähnt, gleichfalls zutraf.

Schlußwort

Dieser kleine Artikel ist sicher nicht repräsentativ noch vollständig in den unterschiedlichen Bereichen der Gesandtschaftsforschung zwischen Wien und Konstantinopel. Tatsächlich ist in der derzeitigen Wissen- schaft nur ein kleiner, doch sicherlich der wichtigste Teil, aufgearbeitet. Dennoch liegen viele Manuskripte in Europa in Bibliotheken und warten auf ihre Bearbeitung. Gleichfalls gibt es eine Vielzahl von amtlichen Urkunden in denen seitenweise die gegenseitigen Geschenke und Zahlungen sowie die an den jeweiligen Gesandtschaften beteiligten Personen beinhalten. Wie weit osmanische Berichte noch von der Wissen- schaft unberücksichtigt in den  türkischen Archiven lagern, ist mir nicht bekannt. Trotzdem glaube ich, einen kleinen Einblick in die osmanisch-europäische Beziehungen, insbesondere durch die Reiseberichte angerissen zu haben. Die genannte Literatur und Links stellen keine abschließende, sondern eine Basis zur weitern Vertiefung da. Fazit der Betrachtung bleibt die unterschiedliche Auswirkung der Gesandt- schaften auf das jeweilige kulturelle und gesellschaftliche Umfeld. Während in Europa die Sichtweise über das Osmanische Reich, gerade durch die frühen Berichte, sich allmählich veränderten und aus der Not- wendigkeit der sprachlichen Verständigung und Erfahrung im diplomatischen Dienst die orientalischen Wissenschaften herausbildeten, kam es zu kaum einer dieser Veränderungen im Osmanischen Reich. Während die Berichte bis 1664  die Kuriositäten (z.B. Evliya Celebi) der “Ungläubigen” schilderten, interessierten sich spätere Botschafter in der Hauptsache für die Ursachen der militärischen Überlegenheit der “Ungläubigen”. Andere gesellschaftliche und wirtschaftliche Änderungen wurden , bis auf Aus- nahmen (z.B. Mehmed Efendi der Achtundzwanzigste, Botschafter in Paris 1720) durch den weiterhin orthodox-religiösen Hintergrund nicht wahrgenommen oder außer acht gelassen.

Allgemeine Literatur

Dilger, Konrad: Untersuchungen zur Geschichte des osmanischen Hofzeremoniells im 15. und 16Jh. München 1967

Eickhoff, Ekkehard: Venedig Wien und die Osmanen. Umbruch in Südosteuropa 1645-1700. 2 Aufl. München 1973

Grothaus, Maximillian: Zum Türkenbild in der Adels- und Volkskultur der Habsburgermonarchie von 1650 bis 1800, in: (Das Osmanische Reich und Europa 1683 bis 1789) (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit Bd. 10) München 1983 S.63-88

Jirecek, Constantin: Die Herrstraße von Belgrad nach Constantinopel und die Balkanpässe. Prag 1877

Lewis, Bernard: Kaiser und Kalifen. Christentum und Islam im Ringen um die Macht und Vorherrschaft. München 1996

Teply, Karl (Hrsg.): Kaiserliche Gesandtschaften ans Goldene Horn. Stuttgart 1968

Ottoman Ambassadors / Osmanische Botschafter in Österreich (1535-1740)(engl.)

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